Meine HD

Ich habe Hüftgelenk-Dysplasie ... sogar ziemlich schwer.

Angefangen hat alles am 5. Mai 1999, ich war da gerade 7 Monate alt. Am Wochenende zuvor war mein Boxerfreund Henry hier und wir haben wieder gewaltig getobt. Die nächsten Tage humpelte ich ab und zu mal, aber meine Leute dachten, daß ich mich wohl vertreten habe. Als es dann Mittwochs immer noch nicht besser war, sind wir zum Tierarzt.

Dieser machte eine Röntgenaufnahme von mir - Katastrophe! Allerschwerste HD - auf beiden Seiten!

meine Hüfte zum Vergleich eine gesunde Hüfte
mit leichter Übergangsform

Da ich mit 8 Monaten ja noch viel zu jung bin, um künstliche Hüften zu bekommen, schlug er eine "Denervation" vor. Dabei wird rund um Hüftgelenk und -kugel das nerventragende Gewebe entfernt. So hätte ich zwar immer noch das gleiche Problem, wäre aber schmerzfrei.
Frauchen war so geschockt, daß ihr viele seiner Worte erst zuhause klar wurden.

Da sie bei einer solch schwerwiegenden Sache gerne eine 2. Meinung hört, sind wir dann am nächsten Tag zu einem anderen Tierarzt gefahren. Leider bestätigte er die Diagnose genau. Und auch dann war sie noch nicht zufrieden, sie fuhr mit mir in die Duisburger Tierklinik am Kaiserberg, wo ich wieder untersucht wurde - und wieder die gleiche Diagnose hörte.

Zwischenzeitlich hatten Herrchen und Frauchen natürlich mit vielen Leuten gesprochen und - je mehr sie redeten, desto mehr verschiedene Meinungen bekamen sie ... und wurden immer unsicherer. Viele rieten, doch einfach abzuwarten, was sie auch sehr gern getan hätten. Aber ich humpelte und "eierte" immer mehr - es mußte was passieren! Also entschlossen sie sich zur Denervation.

Am Mittwoch, 26. Mai 1999 war es dann soweit. Ich bekam schon einen Tag vorher nicht's zu fressen und morgens um 9 Uhr fuhren wir zum Arzt. Er rasierte mir mein Bein, was ich total fasziniert beobachtet, dann bekam ich eine Kanüle gesetzt und ... mehr weiß ich nicht mehr, dann bin ich eingeschlafen.

Frauchen erzählte mir dann, daß sie mich um 11.30 Uhr wieder abgeholt hat. Sie hatte hier im Arbeitszimmer ein gaaanz dickes Oberbett auf meine Couch gelegt und mich darauf weiterschlafen lassen. Sie saß die ganze Zeit dann an ihrem Computer knappe 2 Meter entfernt. Trotzdem hatte sie Angst, daß ich mich rühren würde, ohne daß sie was mitkriegt. Also hatte sie auf das Handtuch, mit dem sie mich zugedeckt hatte, einen Ball gelegt mit einer Klingel drin. Meine kleinsten Bewegungen konnte sie so hören. Aber ich habe laaange geschlafen.

Am frühen Abend bin ich dann so ein bißchen wach geworden. Sie haben mir einen Wassernapf unter die Nase gehalten, aber ich wollte nicht. Dann haben sie so eine Spritze (ohne Spitze) aufgezogen und mir Wasser ins Maul gespritzt - hat ja doch ganz gut getan!
Irgendwann so gegen 21 Uhr mußte ich dann mal und wollte aufstehen, aber sie hat mich auf den Arm genommen und in den Garten getragen. Da hab ich erstmal gemerkt, wie wackelig ich noch war! Ich bin ja nur ein paar Schritte gegangen, aber ich war doch froh, daß sie die ganze Zeit eine Hand unter meinem Bauch hatte! Ich hab meine "Angelegenheit" erledigt, dann wollte ich wieder nur schlafen!

Tag 1: Donnerstag, 27. Mai 1999

Heute bin ich wieder richtig wach und habe ja doch einen Bärenhunger! Aber irgendwie, kaum habe ich ein paar Bissen drin, schon bin ich wieder satt!
Dann hab ich erst mal meine Wunden untersucht. Der Doktor hat doch ohne Rücksicht auf meine natürliche Schönheit ganz viele Haare abrasiert und dicke weiße Verbände über die Wunden geklebt. Es sieht aus, als hätte ich "Packtaschen" drauf! Ich habe schon viel daran herumgeleckt, aber sie gehen einfach nicht ab!
Frauchen hat ein Pflaster mit Ketchup eingeschmiert und mir auf die Vorderpfote geklebt. Da komme ich auch viel besser dran.

Tag 2: Freitag, 28. Mai 1999

Inzwischen bin ich wieder richtig munter, habe einen gesunden Appetit und trabe auch schon wieder fröhlich durch den Garten. Frauchen fiel auf, daß ich jetzt die Beine schmeiße "wie ein Tambourmajor"!
Mittags waren wir dann zum Doc und er hat die Verbände entfernt. Mannomann, Frauchen und ich waren ganz schön geschockt! Wir hatten gedacht, daß die Verbände so dick wären - nee, ICH bin so dick! Aber der Doc meinte, daß alles ganz normal sei und gut heilen würde ...
Und es juckt, ganz gewaltig! Ich weiß, daß es heilt - aber wenn's juckt, muß ich doch einfach lecken! Und jetzt komme ich endlich an die Fäden dran!
Ständig höre ich: "Bessi  N-E-I-N !!!" und ich höre dann auch sofort auf. Aber manchmal gehe ich ins Nebenzimmer, damit sie mich nicht sehen können. Wir haben zwar so einen "Kragen" mitbekommen, aber vielleicht schaffe ich's auch ohne.
Sie "bombardieren" mich geradezu mit Rinderohren, Kalbsziemern und solchen Sachen - toll! Denn wenn ich daran knabbere, lasse ich meine Hüften in Ruhe.

Tag 3: Samstag, 29. Mai 1999

Frauchen hat eine Hose gekauft - so eine Kinderstrumpfhose.
Und dann hat sie sie sofort zerschnitten! Die Beine sind jetzt ab und in den Hintern hat sie ein großes Loch gemacht. Und dann hat sie die doch tatsächlich MIR angezogen! Ich komme mir ja ein wenig albern damit vor und - ich komme nicht mehr an die Fäden dran! Aber ich bin auch ganz brav damit.

Tag 4: Sonntag, 30. Mai 1999

Als ich heute morgen wach wurde, hatte ich immer noch diese Hose an! Jaaa, ich kann ganz schön artig sein!
Aber meine Hüften tun gar nicht mehr weh! Und auch die dicken Schwellungen gehen zurück. Rechts ist schon fast alles weg, nur links ist es noch dick. Ich will jetzt immer wieder in den Garten und da herumlaufen! Ich fühle mich so wohl - das bißchen Wundschmerz merke ich kaum noch! Ich bin sogar alleine die Treppe runtergelaufen, obwohl Frauchen das gar nicht recht ist.

Tag 5: Montag, 31. Mai 1999

Eigentlich sollte ich ja erst übermorgen hin, aber trotzdem war ich heute beim Arzt. Weil meine linke Wunde noch so dick ist und die Fäden da auch so spannen! Aber er meinte, es wäre ganz normal und hat mir ein abschwellendes Mittel gespritzt - hat aber nicht besonders viel gebracht!
Mich selbst stört es gar nicht - ich will nur noch laufen und spielen und fühle mich unheimlich wohl. Aber meine Leute reagieren überhaupt nicht! Wenn ich sie im Garten animieren will, mit mir um die Wette zu laufen, drehen sie sich einfach um.

Tag 7: Mittwoch, 2. Juni 1999

Und wiiieder war ich beim Doc! Er meinte, es wäre ganz toll!
Rechts, wo doch eigentlich alles abgeschwollen ist, wäre eine kleine Muskelreizung und er hat mir eine Spülflüssigkeit hineingespritzt. Frauchen solle sich keine Sorgen machen, wenn da jetzt was rauskommt.
Und er hat alle Fäden gezogen! Leute, ich hab dagestanden wie eine Statue! Und - kaum waren die Fäden raus, hat's auch gar nicht mehr gejuckt! Ich hab überhaupt kein Interesse mehr, daran herumzulecken.
Wer genau hinguckt, der sieht auch, daß ich inzwischen modemutiger geworden bin :-)

 

Tag 9: Freitag, 4. Juni 1999

Jetzt sind die blöden juckenden Fäden raus, da fange ich an zu krümeln! Der Arzt hatte meine Wunden großflächig mit so einer klebrigen Masse (Desinfektion und Sprühpflaster) versorgt, und dieses Zeug löst sich jetzt. Klar, manchmal helfe ich ein bißchen nach, aber das meiste davon verliere ich so.

Tag 10: Samstag, 5. Juni 1999

Ich fühle mich wie neugeboren! Aber ich merke auch, daß dieser Monat Schonung doch auch an meiner Kondition geknabbert hat.
Meine rechte Wunde ist praktisch verheilt und man sieht wirklich kaum noch den Schnitt, aber links ist immer noch ziemlich dick! Und es fühlt sich auch hart an. Mich selbst stört's aber überhaupt nicht.
Ab nächste Woche dürfen wir wieder spazieren gehen und wenn ich schwimmen will, sollen sie mich bloß nicht daran hindern. Und ich wohne doch sooo schön nahe am Wasser.

Tag 21: Mittwoch, 16. Juni 1999

Heute war ich zur Nachkontrolle beim Arzt. Er hat gesagt, ich brauche nicht mehr wiederzukommen, jetzt sei ich gesund! Damit ich "Mucki's" kriege, soll ich jetzt schöne lange Spaziergänge machen.
Meine "Reißverschlüsse" verblassen jetzt auch schon langsam und die Haare wachsen nach :-)

Inzwischen ist meine Operation fast 2 Jahre her - und ich fühle mich ganz toll! Ich hüpfe und springe herum und mache meinem Spitznamen "Flöhchen" alle Ehre!
Und bitte, wenn Ihr Hund auch HD-Probleme hat und Sie genauere Informationen haben möchten - haben Sie keine Hemmungen, mein Frauchen anzuschreiben!
Wir helfen gerne!